Sportärzte waren selbst sportlich aktiv

Dienstag, 5. März 2013 nach admin | Kommentare deaktiviert für Sportärzte waren selbst sportlich aktiv

Zum 16. Mal fand am Wochenende das Sporttraumatologische Symposium unter Leitung von Professor Ulf Schlegelmilch statt. Rund 150 Teilnehmer aus ganz Deutschland nahmen in Oberhof daran teil.

Oberhof – In diesem Jahr stand beim Sporttraumatolgischen Symposium vor allem die Muskulatur in der Sportmedizin im Vordergrund. Dabei wurden Themen wie Muskelverletzungen und die Trainierbarkeit der Muskulatur behandelt. In einem sportpraktischen Teil beschäftigten sich die Mediziner vor allem mit dem Volleyballsport. Die Damen der Nachwuchsmannschaft des VfB Suhl hatten sich bereit erklärt, ihre Trainingsmethoden vorzustellen. „Auf diesem Weg erlangen die Ärzte Kenntnisse über die jeweiligen Sportarten“, erklärte Schlegelmilch. Neben den Suhlerinnen waren Studenten von der Fachhochschule für Gesundheit in Gera vor Ort, die Übungen im Dehnen präsentierten. Deutschlandweit wird für Sportmediziner ein Kurssystem angeboten, wovon das Symposium in Oberhof ein Baustein ist. Je nach Interessenlage stoßen die Teilnehmer aus verschiedenen Bundesländern dazu.

 

Tabu-Thema „Burn out“

„Sport und Seele – ein unzertrennliches Paar“, mit dieser Thematik begab sich das Symposium in diesem Jahr auf wissenschaftlich neues Terrain. So wurden die Möglichkeiten des Sports bei psychischen Erkrankungen unter die Lupe genommen. Aber auch mit dem Tabu-Thema „Burn Out“ bei Sportlern beschäftigten sich die Mediziner. Beispiele, unter welchem Druck die Sportler stehen können, gibt es mehr als genug. Ein Neurologe von der Universität Regensburg beschäftigt sich mit dem „bewegten Gehirn“. Dabei geht er der Frage nach, welche Motivation der Einzelne hat, Sport zu treiben und welche Empfindungen dabei auftreten. Dennoch ist Sport mitunter mit psychischen Belastungen verbunden, die mit mentalen Techniken durchaus verringert werden können. Hauptsächlich im Leistungssport ist dieses Thema angekommen. Besonders erfreut zeigte sich Ulf Schlegelmilch darüber, dass Professor Kurt Tittel aus Leipzig einen Vortrag zum Namensgeber des Symposiums „Arno Arnold“ hielt. Dieser wurde 1955 zum Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin gewählt. Auf sein Konto gehen zudem mehrere Publikationen rund um Körper-Entwicklung, Leibesübungen sowie sportärztliche Unter- suchungen. Sein Lebenswerk umfasst die funktionelle Anatomie, die er präzise untersucht hatte und die Grundlage für heutiges Arbeiten in der Sportmedizin bildet.

Mit Professor Martin Engelhardt aus Osnabrück kam anschließend ein deutschlandweit anerkannter Kniechirurg zu Wort. Er beschäftigt sich mit Kreuzbandrissen und ging während des Symposium der Frage nach, ob und vor allem wann operiert werden muss. Hauptsächlich der Zeitpunkt der Operation, so seine Erfahrungen, entscheidet darüber, wie erfolgreich die Operation verläuft. Zudem verwies er darauf, dass der Operateur in keinem Fall die Nachbehandlung in fremde Hände übergeben sollte.

 

Professor Ulf Schlegelmilch, Organisator desSymposiums, mit demdeutschland- weit anerkannten Kniechirurgen Professor Martin Engelhardt aus Osnabrück in einem Fachgespräch.

 

Nach dem Vortrag ergab die Diskussionsrunde, dass Absprachen zwischen Ärzten und Trainern so manchen Kreuzbandriss von vornherein verhindern können: „Es gibt fortschrittliche und moderne Ärzte, die uns nicht als lästige Begleiterscheinung sehen. Die Verletzungen sind deutlich geringer, wo mit wissenschaftlichen Methoden gearbeitet wird“, berichtete einer der Teilnehmer von eigenen Erfahrungen. Zudem gaben die Mediziner zu bedenken, dass vor allem in den Ballsportarten Frauen viel häufiger als Männer Verletzungen davontragen. Einig war man sich darin, dass dies mit entsprechendem Training verhindert werden könnte. Einige nordische Länder seien in dieser Hinsicht schon ein ganzes Stück weiter und könnten dies sogar anhand von Zahlen belegen.

 

Schau und Sportpraxis

Wie in jedem Jahr wurde den Ärzten ein Rahmenprogramm geboten. In einer Industrieausstellung wurden die neuesten Trends, aber auch bewährte Medizinprodukte vorgestellt. Beispielsweise neuartige Implantate zur Frakturversorgung für Kniescheiben. Am Sonntag stand schließlich die Sportpraxis auf dem Themenplan. Bei optimalem Winterwetter ging es hinaus zum Grenzadler. Dort wurden den Medizinern Grund- und Aufbaukurse im Skilanglauf angeboten. Den Workshop Skatingtechnik übernahm Sven Koch, der im Weltcupteam der Nordischen Kombinierer erfolgreich war. Übrigens hatte das Symposium nicht nur bei den Ärzten Interesse geweckt. Auch Trainer des Ski- und Volleyballverbandes nahmen an Vorträgen teil. „Zur Zeit trainieren Nationalmannschaften hier. Das ist natürlich eine gute Gelegenheit für die Trainer, sich direkt bei uns zu informieren“, betonte Ulf Schlegelmilch.